Das letzte Heimspiel war die Saisoneröffnung 13/14

Erfolgreicher Auftakt mit Luft nach Oben

Jan Trenner 11.08.2013

Saisonauftakt FC Bayern Gladbach 2013

Schweinsteiger vor der Abwehr und Mandzukic im Sturm. Beide Entscheidungen sind durchaus zu erwarten gewesen und mit zwei frühen Toren nahm der Abend einen guten Lauf. Robben eröffnete die neue Saison in der 12. Minute und Mandzukic legte kurz darauf (15.) nach. Aus der Hinter-Tor-Perspektive im Stadion sah man, dass wir Schwächen der Gladbacher konsequent ausnutzten, aber in der Offensive Luft nach oben haben. Dantes Eigentor entstand aus einer dummen Situation, aber im Moment in dem Manuel Neuer ruft, ist der Brasilianer schon mitten in der Bewegung zum Ball. Zwei berechtigte Handelfmeter – einmal Verschießen durch Müller und Alabas Treffer später – war der Sack zu.

Aus der Betrachtung der Spieldaten sehen wir eine recht deutliche Steigerung zum Supercup. Einerseits hängt das natürlich damit zusammen, dass Gladbach oft weit von unseren Spielern weg stand. Stellenweise gingen sie ohne die nötige Härte und Konsequenz gegen die Bayern vor und haben sich die Bälle sehr leicht wieder abjagen lassen. Der FC Bayern hat stets geringe Fehlpassquoten, aber beim Saisonauftakt war das schon sehr beeindruckend und ein deutliches Merkmal im Vergleich mit dem Supercup.

BereichSupercup BVBFCBFCBBMG
Tor33.33%25.00%
Abwehr19.09%6.15%
Sechser19.15%8.62%
Offensive31.61%11.90

Wenn ein Stürmer nur 4 Fehlpässe spielt (Mandzukic, 83.33% erfolgreiche Pässe) und ein Franck Ribéry 132 Ballbesitze zeigt, dann sehen wir eine erfolgreiche Offensive. Auch unsere anderen Akteure reihten sich wunderbar ein und Defensivprobleme entstanden wegen Mängeln im Stellungsspiel oder der Rückwärtsbewegung.

Jerome Boateng hat eine starke letzte Saison nicht nur im Champions League Finale gekrönt, sondern ist auf dem Weg seine Leistung fortzusetzen bzw. weiter zu steigern. In der gesamten Partie gegen Gladbach hat er sich nur einen einzigen Fehlpass erlaubt. 60 Pässe fanden einen Mitspieler, das ist eine Quote von 98.36% und absolut beeindruckend. Er wirkt auf dem Spielfeld noch ruhiger, abgeklärter und hat sein Stellungsspiel verbessert. Dante sieht man einen Trainingsrückstand (und etwas Nervosität gegen seine alten Mannschaftskollegen) hingegen noch an.

Franck Ribéry war und ist der Motor des Offensivspiels. Mit großem Abstand führt er Ballbesitz und Pässe (132/72) an, lässt mitunter 4 Gegenspieler stehen, bringt gefährliche Pässe vor das Tor und ist an zwei Toren beteiligt. Statt Kombinationsfußball durch die Zentrale haben wir gegen Gladbach Vorstöße über die Außen und das klassische Ziehen nach Innen gesehen. Das Offensivspiel ist schneller, direkter und wird mit mehr Risiko in die gegnerische Hälfte getragen.

Bastian Schweinsteiger wirkte nicht wirklich fit und auch auf seiner Position eher unglücklich. Die Rolle als alleiniger Sechser gefällt ihm in meinen Augen nicht so gut wie das Duett mit Martínez in der letzten Saison. Damit muss er sich in den kommenden Spielen arrangieren. Er agiert derzeit nicht als »Hirn« des Münchner Spiels, da sich die zugehörigen Funktionen weiter in die Offensive verlagert haben.

Im Artikel zum Pokalspiel gegen Rehden habe ich die eher traurige Rolle des Mario Mandzukic erwähnt. Nach wirklich intensiver Beobachtung im Stadion, denn dort ist die Perspektive und der ständige Blick auf das gesamte Spielfeld einfach besser, muss ich meine Einschätzung korrigieren. Der Kroate übernimmt derzeit eine extrem wichtige Rolle. Er steht sehr nah bei unseren Offensivreihen und füllt mit einer schier unglaublichen Akribie entstehende Lücken und Positionen auf. Zwar ist er dadurch in der Arbeit nach Hinten selten die »Dampfwalze«, aber immens wichtig für die Formation selbst. Gleichzeitig ist er Anspielstation für hohe Flanken und kann Bälle zur Not auch gegen zwei Gegenspieler solange behaupten bis die Kollegen nachgerückt sind. Solange das Kombinationsspiel nicht perfekt läuft, gibt es dadurch ein gutes Mittel für gefährliche Aktionen.

Im Defensivspiel zeigen sich noch große Lücken in den Halbräumen. Gladbach nutzte das stellenweise, aber erzielte kein Tor. Die Bewegungen beim Umschalten in die Verteidigung und das Einnehmen der Positionen ist weder konsequent noch ausreichend einstudiert. Außenverteidiger kommen nicht schnell genug zurück oder Innenverteidiger befinden sich auf der falschen Seite zum Gegner. Pep Guardiola muss einen schwierigen Spagat hinlegen. In der Offensive sind viele spielstarke Akteure zu einer Einheit zu formen und die Stabilität der letzten Saison muss ebenfalls wieder gefunden werden. Jupp Heynckes hat für den Aufbau der grandiosen Defensivleistung aus der Saison 2012/13 eine ganze Spielzeit gebraucht. Viele Fans, Pressevertreter und Beobachter wollen anscheinend, dass Guardiola dies nach 6 Wochen hinbekommt. Unwahrscheinlich.

FC Bayern München – Borussia Mönchengladbach 3:1 (2:1)
FC Bayern Neuer – Lahm, Boateng, Dante, Alaba – Schweinsteiger (73. Kirchhoff) – Robben, Müller (77. Rafinha), Kroos (85. Martínez), Ribéry – Mandzukic
Bank Starke, Van Buyten, Shaqiri, Pizarro
Gladbach Ter Stegen – Jantschke, Stranzl, Dominguez, Daems – Kramer (85. de Jong), Xhaka – Herrmann (70. Hrgota), Raffael, Arango (71. Younes) – Kruse
Tore 1:0 Robben (12.), 2:0 Mandzukic (15.), 2:1 Dante (40./Eigentor), Alaba (69./Elfmeter)
Karten Gelb: Mandzukic & Kramer, Stranzl, Dominguez

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